Ein Mann will ein Bild aufhängen. Den Nagel hat er, nicht aber
den Hammer. Der Nachbar hat einen. Also beschließt unser Mann, hinüberzugehen
und ihn auszuborgen. Doch da kommt ihm ein Zweifel: Was, wenn der Nachbar
mir den Hammer nicht leihen will? Gestern schon grüßte er mich
nur so flüchtig. Vielleicht was er in Eile. Aber vielleicht war die
Eile nur vorgeschützt, und er hat etwas gegen mich. Und was? Ich habe
ihm nichts angetan; der bildet sich da etwas ein. Wenn jemand von mir ein
Werkzeug borgen wollte, ich gäbe es ihm sofort. Und warum er nicht?
Wie kann man einem Mitmenschen einen so einfachen Gefallen abschlagen?
Leute wie diese Kerl vergiften einem das Leben. Und dann bildet er sich
noch ein, ich sei auf ihn angewiesen. Bloß weil er einen Hammer hat.
Jetzt reicht's mir wirklich.
Und so stürmt er hinüber, läutet, der Nachbar öffnet,
doch bevor er "Guten Tag" sagen kann, schreit ihn unser Mann
an: "Behalten Sie sich Ihren Hammer, Sie Rüpel!"
Anleitung zum Unglücklichsein - München/Zürich, Piper 1983